Sonntag, 26. November 2017

Rigo und Rosa räumen ab

Christine Lötscher, Literaturwissenschaftlerin und -kritikerin,
führt durch den Anlass
Smh - Alle zwei Jahre wird der Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis vergeben. Und ich war heute zum dritten Mal mit dabei.

Die Jury hat aus der Kinder- und Jugendbuchproduktion der letzten zwei Jahre ausgewählt und gegen 200 Titel gesichtet. Sechs davon landeten auf der Shortlist, und dieses Jahr war neben Titeln aus der deutschen und der französischen Schweiz auch ein Buch aus dem Tessin dabei.

Im poetischen Bilderbuch "Le petit bonhomme et le monde"
von Sylvie Neeman und Ingrid Godon begleiten wir ein Kleinkind
auf die erste Entdeckungsreise durch seine Welt
Der Preis geht an Autoren, Autorinnen, Illustratorinnen und Illustratoren die entweder Schweizer sind, oder seit über zwei Jahren in der Schweiz leben. In der diesjährigen Shortlist waren sowohl erfahrene als auch jüngere Künstlerinnen und Künstler vertreten. 

Francesca Senna schildert die
Entstehungsgeschichte von "Die Flucht"
Jedes der sechs Bücher in der Schlussauswahl hätte den Preis verdient. Meine Favoriten waren im Vorfeld klar "Die Flucht" von Francesca Sanna und "Rigo und Rosa" von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer. Nach den Kurzvorstellungen durch die Jurymitglieder fügte ich innerlich das Pappbilderbuch "Amici" von Paloma Canonica zu meinen Lieblingen hinzu.

Man braucht kein Italienisch zu verstehen, um dem Reiz des
Pappbilderbuches "Amici" von Paloma Canonica zu verfallen
Das Grusswort richtete Isabelle Chassot, Direktorin des Bundesamts für Kultur, an das Publikum. Ich werde versuchen, den Text dieser Rede zu ergattern, denn sie sprach mir mit ihren berührenden Worten zur Aufgabe der öffentlichen Bibliotheken direkt aus dem Herzen.

It's raining elephants, das sind Evelyne Laube und Nina Wehrle.
Vor ihrem autobiographisch gefärbten Bilderbuch "Marta und ich"
werden Eltern gewarnt: weisse Wände sind in Gefahr!
Für mich immer wieder ein Höhepunkt war der Kurzfilm, den das SIKJM jeweils zu einem Thema aus unterschiedlichen Buchillustrationen erstellt. Diesmal ging es um die Buchproduktion, und viele der Bilder habe ich problemlos wiedererkannt.

Luisa Campanile hat mit "La Friche" ein Theaterstück
über eine Gruppe Jugendlicher geschrieben, die eine
Industriebrache für sich beanspruchen
Dass Kathrin Schärer und Lorenz Pauli den Preis gewonnen haben, war offenbar verfrüht zur Presse durchgesickert. Nicht aber zu mir. Und so blieb mir der Moment freudiger Überraschung erhalten.

Lorenz Pauli und Kathrin Schärer
"sind wie ein altes Ehepaar"
Wieso freue ich mich, dass ausgerechnet "Rigo und Rosa" gewonnen hat? Pauli selbst fügte an, dass damit weder das überraschendste noch das innovativste Buch gewonnen habe. Trotzdem bin ich mit der Wahl der Jury völlig einverstanden.

Pauli erzählt, dass das Vorbild zu Rigo im
Berner Tierpark Dählhölzli lebte
"Rigo und Rosa" ist anders als die bisherigen gemeinsamen Werke von Schärer und Pauli. Die Texte sind über Jahre hinweg entstanden und die Illustratorin wurde für einmal erst beigezogen, als es bereits weit fortgeschritten war. "Rigo und Rosa" ist ein Vorlesebuch mit achtundzwanzig Geschichten, die alle von der Freundschaft zwischen dem alternden Zoo-Leoparden Rigo und der jungen, neugierigen Maus Rosa erzählen. Die Geschichten sind oft lustig, immer unterhaltsam, und regen zum Nachdenken, Weiterfabulieren und Diskutieren an. Die Bilder sind die perfekte Ergänzung und geben einen vertieften Einblick in Charakter und Gefühlslage der liebenswerten Figuren. In unserer Bibliothek war das Buch sofort ein Hit, und immer wieder werde ich gefragt, ob es einen zweiten Band oder „irgend etwas ähnliches“ gebe. Bisher musste ich die Leute enttäuschen: es gibt andere gute Vorlesebücher, aber in seiner Art ist "Rigo und Rosa" im Moment einmalig.

Und nein, die beiden Buchfiguren sind nicht
ihren Schöpfern nachempfunden
Infos zum Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis finden sich auf der SIKJM-Website.

Samstag, 11. November 2017

Feuerwehr und Polizei zu Gast in der Bibliothek

Immer wenn sich die Feuerwehrleute eine Pause gönnen,
klingelt schon wieder das Telefon...
smh - Eben noch waren wir alle ganz aufgeregt, und nun ist sie schon vorbei, die diesjährige Erzählnacht zum Thema "mutig, mutig". Wir hatten auf etwas mehr Publikum gehofft, aber die, die da waren, haben den Abend sichtlich genossen.

Und schon wieder hat der kleine Meyer seine Stulle vor allen andern aufgegessen.
Zuerst haben Angelika Wegmüller und ich Geschichten zu Feuerwehr und Polizei vorgelesen. Hier war die Schwierigkeit, dass die Geschichten nicht zu lang sein durften, und gleichzeitig für Kinder ab 5 als auch für etwas ältere interessant sein sollten. Ausserdem wollten wir gern ein möglichst realistisches Bild vermitteln.

Auf zum nächsten Einsatz!
So las ich zwei Geschichten aus "Kleine Polizei-Geschichten zum Vorlesen" von Rüdiger Bertram, während meine Kollegin das Bilderbuch "Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt" von Hannes Hüttner und Gerhard Lahr sowie eine kurze Geschichte zu "Feuerwehrfrauen" aus den "Feuerwehrgeschichten" von Beatrix Mannel wählte.

Jessica Lima Henrique und Maria Krekels am Buffet
 Das Pausen-Buffet mit den vielfältigen Backwaren, von den Mitarbeitenden der Bibliothek zur Verfügung gestellt, war natürlich ein grosser Erfolg.

Der Feuerwehr-Grittibänz fand grossen Anklang
Danach waren wir alle bereit für den Höhepunkt des Abends. David Rüfenacht von der freiwilligen Feuerwehr Zuchwil und Pascal Studer von der Kantonspolizei Solothurn, stellten sich den Fragen der Kinder und Erwachsenen. Dabei ging es teilweise sehr lebhaft und chaotisch zu, die Kinder überschlugen sich mit altklugen und phantasievollen Fragen, und auch die Erwachsenen vergassen ob der spannenden Ausführungen die Zeit.

Der Feuerwehrmann erklärt seine Ausrüstung.
Rechts im Bild Nicole Junod aus der Kijubi.
Zum Abschluss erhielten alle Anwesenden ein Velo-Licht und einen Leuchtstreifen geschenkt - sehr passend zur dunklen Jahreszeit.

Wie verhalte ich mich am Besten in einer gefährlichen Situation?
Sind Menschen, die gegen Feuer und Verbrechen kämpfen mutiger als andere?
Können Frauen das auch machen?
Ein alter und ein neuer Feuerwehr-Helm

Mittwoch, 8. November 2017

Erzählnacht zum Thema "mutig, mutig": Feuerwehr und Polizei zu Gast in der Bibliothek!


smh - Diesen Freitagabend ist es wieder soweit! Wir laden zur Erzählnacht in unsere Bibliothek ein. Wenn der Abend so spannend wird, wie die Vorbereitungen dazu, dann brauchen wir uns nicht zu sorgen.

Wir hatten nämlich die Idee, im Zusammenhang mit dem Thema "mutig, mutig" Menschen aus "mutigen" Berufen zu uns einzuladen. Sehr schnell erhielten wir die Zusage von einem Feuerwehrmann, der sich den Fragen der Kinder stellen möchte. Doch auf unsere Anfrage bei der Polizei erhielten wir lange keine Antwort - die Mail hat nämlich ihr Ziel gar nie erreicht! Als wir das endlich gemerkt haben, war es schon fast zu spät. Doch wir haben Glück: die Polizei zeigt sich als echter Freund und Helfer und schickt am Freitag Abend tatsächlich einen Polizisten vorbei.

Im ersten Teil des Programms werden die Kijubi-Bibliothekarinnen kurze Geschichten zu Mut und "mutigen" Berufen vorlesen. Danach gibt es ein Kuchenbüffet, damit wir gestärkt in den zweiten Teil gehen können: dem Besuch von Feuerwehr und Polizei in unserer Bibliothek.

Das Zielpublikum für diesen Anlass sind Kinder ab 5 Jahren. Wir sind schon ganz aufgeregt und haben uns allerhand Fragen überlegt, die wir den Gästen stellen möchten.

Hier noch der Link zum Flyer, mit Angaben zu Zeit und Ort: Erzählnacht in der Zentralbibliothek Solothurn

Dienstag, 7. November 2017

Abraxas ist ein Rabe...


 

smh - Abraxas ist der Rabe aus einem absoluten Lieblingsbuch meiner Kindheit, nämlich "Die kleine Hexe" von Otfried Preussler. ABRAXAS ist auch der Name des Kinder- und Jugendliteratur-Festivals in Zug, welches am 4. und 5. November 2017 zum 7. mal stattfand.

Bei der letzten Durchführung vor zwei Jahren war ich leider verhindert, dieses Jahr habe ich es zumindest am Sonntag nach Zug geschafft. Die Teilnahme am Festival ist kostenlos! Man muss aber Tickets reservieren, da die Plätze an den Veranstaltungen begrenzt sind. Das Zielpublikum sind ganz klar die Kinder. Man kann unter vielen sehr unterschiedlichen Angeboten auswählen, und mir fiel die Wahl schwer.


An der Film-Lesung liess ich mir von Thomas Binotto auf äusserst lebhafte Weise erklären, wie man Filme "liest" und dadurch beim Filme schauen noch mehr Spass hat. Wir erfuhren, wie Action entsteht, und was Suspense ist, wieso die Erfindung des Tonfilms für die Kameraführung ein Rückschritt war und wo überall sich Buster Keaton und Jackie Chan bei ihren gefährlichen Stunts verletzten.


Jörg Hilbert, der Erfinder von Ritter Rost, erzählte uns wie Ritter Rost, das Burgfräulein Bö und der Drache Koks zusammen einen Schatz suchen und dabei erfahren, dass "das allergrösste Glück" nicht für alle das Gleiche bedeutet. Der Autor sang uns auch ein paar Lieder vor, und begleitete sich selbst mit einer Gitarre aus der Ritterzeit.


Die Schweizer Autorin Annette Lory hat mit ihrem Text "Wäre ich eine Schlange, könnte ich in eine andere Haut schlüpfen" den diesjährigen Baarer Raben gewonnen. Dieser wurde ihr am 30. Oktober übergeben, begleitet von einer szenischen Lesung durch eine 6. Schulklasse aus Baar. Für uns haben die Sechstklässler diese Aufführung wiederholt. Die kindlichen Stimmen der Lesenden, kombiniert mit dem Schauspiel ihrer Altersgenossen, gaben dem bildhaften und berührenden Text um eine schwierige Familiensituation eine weitere Dimension. Die Geschichte wird als SJW-Heft erscheinen.


Am Stand von Autillus, dem Verein der Kinder- und Jugendbuchschaffenden der Schweiz, wurden Neuerscheinungen der Mitglieder präsentiert. Wer genau hinschaut, kann auf dem Bild mindestens einen Titel eines Solothurner Autoren erkennen.


Im Elternhort wurde ein Sinnes-Parcours versprochen. An mehreren Posten konnte man sich ein Bild davon machen, wie Texte und Buchstaben für Menschen aussehen, deren Sinneswahrnehmung von der Norm abweicht - pro Schulklasse sind davon 2-3 Kinder betroffen.


Das Festival fand in einer Schulanlage mitten in der Altstadt von Zug statt. Rechts vor dem Eingang ist das InfoMobil "Bücher auf Achse" zu sehen, eine kleine Bibliothek auf Rädern. Wie man sieht war das Wetter regnerisch - und somit ideales Lesewetter.

Ich hoffe, dass das Festival auch 2019 wieder durchgeführt wird. Damit das möglich wird, sind die Organisatoren auf Unterstützung angewiesen. So kann man zum Beispiel dem Verein beitreten, oder sich mit einer Spende an den Unkosten beteiligen.

Für weitere Informationen empfehle ich die Website: www.abraxas-festival.ch