Freitag, 29. September 2017

Der krönende Abschluss einer Tagung, an der für einmal die Serien im Mittelpunkt standen

Christine Tresch im Gespräch mit Hans-Jürgen Feldhaus, Margit Auer und Carlo Meier
Foto: www.sikjm.ch
smh - Am 22. September 2017 erhielt das Kijubi-Team die Chance, gemeinsam an der SIKJM-Tagung zum Thema Serien und Serialität teilzunehmen. Mir war es ein grosses Vergnügen, diesen hochkarätigen Expertinnen und Experten dabei zuzuhören, wie sie in ihrer präzisen, wissenschaftlichen Sprache den Serien, gerade auch für Kinder und Jugendliche, ein Kränzchen wanden.

Auch mir scheinen Serien überaus wichtig beim Wecken von Leselust und beim Trainieren der Lesefähigkeit. Ausserdem lese ich selber gern Serien, da sie - wenn gut ausgeführt - ein vertieftes Eintauchen in eine literarische Welt und eine enge und langfristige Verbindung, manchmal sogar ein Mitwachsen mit den sich entwickelnden Charakteren ermöglichen.

Trotz dem anspruchsvollen Niveau der Vorträge war die Tagung alles andere als langweilig! Und zum Abschluss gab es noch einen ganz besonderen Höhepunkt: eine Autorin und zwei Autoren lasen uns aus ihrer jeweiligen Serie vor, und sprachen mit der Moderatorin über ihre Erfahrungen.

Mit Serien gewinnt man keine Preise, aber sie können sehr erfolgreich sein. Die drei anwesenden Schriftsteller wissen um die abschätzige Sprache, mit der Serien umschrieben werden, als Lesefutter, Massenware oder "Übergang zur richtigen Literatur".


Carlo Meier kann mit seinen Kaminski-Kids die grösste Anzahl Bände vorweisen. Er hat damals auf Anregung seiner Kinder mit dem Schreiben der Krimis begonnen, noch ohne Konzept für eine Serie. Heute sind seine Kinder erwachsen, doch er arbeitet weiterhin sowohl mit einer Gruppe Kinder als auch mit Fachpersonen aus der Kriminalistik, wenn er neue Bände schreibt. Und auch bei seinem neuen Projekt, die als Trilogie angelegte Jugendbuch-Serie Paradise Valley, setzt er auf Zusammenarbeit mit Jugendlichen. Diese werden unter dem Namen ZoomCrew sogar auf dem Titel genannt. Schon bei der Vorbereitung hat er Jugendliche gefragt: Was würdet ihr lesen abgesehen von Whatsapp? Und bei etwas waren sich die Antwortenden offenbar einig: das neue Buch müsse in den USA handeln... Was es auch tut.


Margit Auer war vor ihrem Wechsel zur Schriftstellerei als freischaffende Journalistin tätig. Zuerst schien ihr der Einstieg in die Branche schwierig, doch dann kam ihre Idee zur Schule der magischen Tiere so gut an, dass eine Serie daraus wurde. Die Schule in ihren Büchern ist eine ganz normale. Das Besondere bringen die schottische Lehrerin und ihr Bruder mit, der die magischen Tiere in der ganzen Welt aufspürt und den Kindern mitbringt. In jedem Band erhalten zwei Kinder ihr magisches Tier. Und immer sind es Kinder, die es gerade besonders brauchen. Denn das magische Tier ist zwar auch zum Spass haben da, vor allem aber hilft es dem Kind, einen besonderen Lebensabschnitt zu bewältigen und wichtige Entwicklungsschritte zu machen. Diese Mischung aus Realismus und Magie kommt auch beim erwachsenen Publikum der Tagung gut an. Die Leserschaft von Frau Auer ist noch zu jung für Social Media: sie erhält ab und zu E-Mails, meistens aber handgeschriebene Briefe. Regelmässig wird sie von den Kindern um ein eigenes magisches Tier gebeten. Und die Fans sind besorgt: denn irgendwann werden alle Kinder der Klasse ihr Tier haben - und dann ist die Geschichte aus!


Hans-Jürgen Feldhaus ist ursprünglich Graphic Designer. Er macht daher auch wirklich alles an seinen Büchern, Text, Schrift und Bild. Im Gegensatz zu den bekannten Tagebüchern von Greg, mit denen er sein Werk nur ungern vergleicht, ist bei ihm der Text im Zentrum und das Bild der Kommentar. Sein jugendlicher Antiheld Jan ist in seinem Kopf entstanden, als er es überdrüssig wurde, Mathematik-Schulbücher zu illustrieren. Und so macht sich Jan dann auch in der vorgelesenen Stelle genau über die Mathe-Übungen lustig, die man in solchen Schulbüchern offenbar findet. Der Agentin reichte die Stimme in Feldhaus Kopf noch nicht zu einem Buch, sie wollte eine Geschichte. So reist Jan im ersten Band mit dem leeren Notizbuch, das er an Stelle des gewünschten iPads erhalten hat, mit seinen Eltern und der bösen grossen Schwester in die Ferien nach Italien. Und obwohl er zuerst behauptet, dort würde absolut nichts passieren, füllen sich die Seiten seines Notizbuchs langsam aber sicher mit seinen Kritzeleien in Text und Bild.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen