Samstag, 3. Juni 2017

Kinder- und Jugendliteratur - meine Prüfungslektüre zum zweiten

smh - Prüfungslektüre ist ja ein eher belastetes Wort. Ich aber hatte bei der Vorbereitung auf meine mündliche Prüfung im Fernkurs "Kinder- und Jugendliteratur" vor allem Spass. Mein Thema "Buch im Buch" habe ich bereits in einem früheren Blog-Beitrag vorgestellt. Hier nun die Bücher, die ich zu den einzelnen (vorgegebenen) Untergruppen gelesen habe:
 

Kinderlyrik 



Superguppy von Edward van de Vendel, 2008 Boje

Während dem zweijährigen Fernkurs gab es regelmässig sogenannte Hausübungen einzuschicken, und dort habe ich mich gezielt mehrheitlich mit Schweizer Autorinnen und Autoren befasst. Meine Hausübung zu Kinderlyrik hatte ein Gedicht von Franz Hohler zum Inhalt. Bei der Prüfung habe ich mich jedoch für den Superguppy entschieden. In unserer Bibliothek führen wir eine sehr schöne Auswahl an Büchern mit Kinderlyrik, die leider nur wenig genutzt wird. Für kleinere Kinder sind Värsli-Bücher durchaus beliebt. Danach geht offenbar vergessen, wie wunderbar Gedichte sich für unterschiedlichste Situationen eignen, und wie viel Spass der gemeinsame Umgang mit Lyrik machen kann. Kürzlich war ein Lehrer da, der für die ganze Klasse Lyrik-Bände ausgeliehen hat, und offenbar war das Projekt in seiner Klasse ein Riesenerfolg. Gerade auch bei Kindern mit anderssprachigem Hintergrund!
 
Hier mag ich nichts über den Superguppy erzählen, sondern lasse die Gedichte gleich selber für sich sprechen. Also mir gehen die ohne Umweg über das Hirn gleich ins Herz. Schaut:


 
 
 

Märchen


Die Luna-Chroniken - Wie Monde so silbern von Marissa Meyer, 2013 Carlsen
Diese Serie war schon lange auf meiner Wunsch-Leseliste. Ich liebe (gut gemachte) Märchen-Nacherzählungen! Und gibt es etwas cooleres, als eine futuristische Cyborg-Cinderella, die statt eines Schuhs gleich einen Fuss verliert? Im Gegensatz zum Original-Märchen ist die Heldin hier nicht passiv-duldend, sondern Cinder kämpft aktiv für eine bessere Zukunft und setzt sich mit viel Mut für ihre Freunde und ihre Werte ein.
 

Jugendliteratur 



Mogel von Nils Mohl, 2014 Rowohlt

Ich habe Vorurteile gegen das, was unter dem Begriff Jugendliteratur läuft. Aber Mogel ist weder schwer zu lesen noch hinterlässt die Lektüre eine depressive Stimmung. Im Gegenteil, Mogel ist ein Aufsteller. Der junge Mogel ist überraschend zufrieden mit seinem Leben, ja er mag sogar seine Eltern! Um das Vertrauen seiner Freunde zurück zu gewinnen, verkleidet er sich als Mädchen. Darauf folgt eine sehr aufregende Nacht mit filmreifen Szenen. Während die Figuren auf mich real wirken, ist die Handlung etwas zu verrückt, dafür um so unterhaltsamer. Und ohne dabei in philosophische Tiefen abzutauchen, gibt die Erzählung auch den einen oder anderen Impuls zum Thema Geschlechterrollen.
 

Bilderbuch

 
Ojemine! von Iwona Chmielewska, 2014 Gimpel
Ojemine! erzählt die Geschichte eines Missgeschicks. Beim Bügeln hat die Ich-Erzählerin das geliebte Tischtuch der Mutter, ein Erbstück, ruiniert. Aus Angst vor den Folgen überlegt sie sich allerhand Ausreden, um sich dann doch noch zu einem Geständnis durchzuringen. Dieses Bilderbuch, das mit sehr wenig Text auskommt, ist nicht bunt genug um jedem ins Auge zu springen. Doch könnte es gerade bei stilleren Kindern das Zeug zum Liebling haben. Geht es hier doch um starke Emotionen: Schuld und Scham und Fluchtgedanken, wunderbar aufgelöst durch die einfühlsame Reaktion der Mutter. Ein Buch auch, dass zu weiterführenden Aktivitäten anregen könnte: zum Austausch über ähnlich belastende Erlebnisse, oder zum gemeinsamen Verschönern von Flecken und "Fehlern" in der realen Welt.
 

Erstlesebücher

 
Cowboy Klaus und der fiese Fränk von Eva Muszynski und Karsten Teich, 2009 Tulipan
Ich bin schon länger ein Fan der Reihe um den kleinen Cowboy Klaus, der mit seinen sprechenden Tieren auf einer Farm im Wilden Westen allerhand Abenteuer erlebt. Obwohl die Texte sehr einfach und kurz gehalten sind, kommt keine Langeweile auf. Dank Humor und vielen überraschenden Wendungen, aber auch mit Hilfe der Illustration, machen diese dünnen Bändchen sowohl beim Vorlesen als auch beim Selberlesen Spass. Zwar werden nicht alle Kinder die witzigen Anspielungen auf die Mythen alter Westernfilme verstehen, um so grösser ist der Bezug zu ihrer eigenen kindlichen Welt: der "Held" ist klein und nicht immer heldenhaft, er muss auch mal pinkeln und fürchtet sich vor den Schatten in der Nacht. Um sich mutiger zu fühlen, zieht er sich möglichst gefährlich an, und ist dann doch wieder ängstlich, weil er komische Geräusche hört und weil man ja gar nicht sehen kann, wie gefährlich er aussieht, im Dunkeln.
 

Phantastische Kinder- und Jugendliteratur

 
Das erste Buch der Träume, Silber Band 1, von Kerstin Gier, 2013 FJB
 
Die Autorin verbindet in dieser Trilogie romantische und fantastische Elemente zu einem nicht nur für jugendliche Lesende spannenden Ganzen. Ihre ruhelose Mutter hat Liv und ihre kleine Schwester diesmal nach London verpflanzt, und ist mit ihnen bei ihrem neuen Freund eingezogen. So müssen sich die beiden Mädchen, die sich nichts mehr wünschen, als endlich an einem Ort bleiben zu dürfen, nicht nur mit einer neuen Schule, sondern gleich auch noch mit einer neuen Familie herumschlagen. Durch einen Zufall entdeckt Liv den Zugang zu einer geheimnisvollen Traumwelt, die man durch Türen in den eigenen Träumen betreten kann. Schon bald erlebt sie die verrücktesten Abenteuer und findet sowohl neue Freunde als auch Feinde.
Mir gefällt bei diesen Büchern besonders, wie konsequent und durchdacht die Welt der Träume aufgebaut ist, und dass trotz der phantastischen Ideen dem Ganzen eine nachvollziehbare Logik zugrunde liegt.
 

Kinderroman

 
Mit Worten kann ich fliegen von Sharon M. Draper, 2014 Ueberreuter
Ein sehr emotionales Buch das uns beim Lesen ermöglicht, ganz in das Erleben von Melody einzutauchen, einem elfjährigen Mädchen, das im Rollstuhl sitzt und weder selbständig laufen, essen noch sprechen kann. Trotz diesen Einschränkungen und dem Unverständnis, dem sie ausserhalb ihres engsten Umfelds begegnet, lässt sich Melody nicht unterkriegen. Sie kämpft für einen Platz in der Gesellschaft, für Akzeptanz und die Chance zu beweisen, was für ein wacher, intelligenter Geist sich in ihrem gelähmten Körper befindet.
 
Flora & Ulysses von Kate DiCamillo und K. G. Campbell, 2015 DTV
Ein Lieblingsbuch zum mehrmals lesen. Die Geschichte ist spannend, ein bisschen verrückt, manchmal ernst, manchmal witzig, immer überraschend. Flora liebt Comics um einen Superhelden, der im Privatleben Hauswart ist. Ihre Mutter schreibt Liebesromane und leidet gerade an einem Schreibstau. In das ohnehin schon angespannte Zusammenleben platzt Ulysses, das Eichhörnchen, das nach einem Unfall mit einem Staubsauger der menschlichen Sprache mächtig ist. Es folgt eine turbulente Zeit voller bizarrer Begegnungen mit eigenartigen Menschen und Tieren aller Art, durchmischt mit Comiczeichnungen, philosophischen Gesprächen und natürlich den Gedichten von Ulysses, der sich in diese neue Welt verliebt, die sich für ihn auftut.

 

Kinderkrimi

 
Morlot von Katharina Reschke, 2014 Boje
Jonathans Mutter schreibt erfolgreiche Krimis um den Privatdetektiv Morlot - eine Figur, die sich stark an Chandlers Marlowe anlehnt. Das Familienleben wird vom Schreiben der Mutter dominiert - damit sie ihre Fristen einhalten kann, muss alles andere zurückstecken. Jonathan leidet unter der Situation, und er verabscheut Phantasie, weil er sie als Ursache für das Chaos in seinem Leben und die Unzuverlässigkeit seiner Mutter sieht. Im Gegenzug liebt er Logik und Mathematik. Doch als zu Beginn der Geschichte seine Mutter spurlos verschwindet, muss er ihr wohl oder übel in die finstere Welt der Morlot-Romane folgen.
 
Elvis im Einsatz von Saskia Hula, 2015 Mixtvision
Elvis und Annarita hecken an einem langen Sommerferientag gemeinsame Spiele aus. Sie spielen Fundbüro und organisieren auch gleich die fehlenden Fundgegenstände. Für das Ermitteln bei einem Verbrechen borgen sie sich einen Hund. Und warten dann ungeduldig darauf, dass endlich ein Verbrechen passiert...
Jedes Kind weiss, wie schwierig es manchmal ist, auf den Spuren der fünf Freunde und der drei Fragezeichen zu wandeln. Denn leider finden im kindlichen Umfeld weit weniger Entführungen, Diebstähle und Betrügereien statt, als uns diese Serien vorgaukeln. Doch wie Annarita und Elvis beweisen, ist die Situation nicht hoffnungslos: mit etwas Glück und viel Phantasie wird aus dem öden Sommertag doch noch ein aufregender Krimi.