Dienstag, 19. Juli 2016

Buch im Buch

smh - Diesen Sommer habe ich den zweijährigen STUBE-Fernkurs Kinder- und Jugendliteratur abgeschlossen. Zur Vorbereitung auf die mündliche Prüfung war den Teilnehmenden aufgetragen, eine Leseliste mit 20 Titeln zusammen zu stellen. Neben Büchern zu allen Genres, die im Fernkurs behandelt wurden, sollte diese Liste auch einige Titel zu einem selbst gewählten Thema enthalten.

Ich habe das Thema "Buch im Buch" gewählt, und hatte viel Spass sowohl bei der Auswahl als auch bei der Lektüre.
 
 
Chester ist ein alter Liebling von mir. Ich lache jedes mal neu, wenn ich mir dieses Bilderbuch ansehe. Es eignet sich übrigens auch gut für Erstleser/innen, die Schrift ist schön gross. Wie man schon auf der Titelseite leicht erkennen kann, ist Chester ein Kater. Und er hält einen dicken roten Filzstift in der Pfote. Mit diesem Filzstift kämpft er die ganze Geschichte lang mit der Autorin um den Platz auf jeder Seite. Während Melanie Watt eine nette kleine Geschichte von einer Maus in ihrem Haus zu erzählen versucht, will Chester vor allem sich selbst in Szene setzen. Wie er sich frech über alle Grenzen hinwegsetzt, mit seinem Rotstift alles streicht und ändert, gerade wie es ihm passt, ist einfach zu lustig. Und auch die Autorin lässt sich nicht lumpen und versucht mit allen Tricks, den arroganten Kater auf seinen Platz zu verweisen. Ob es ihr gelingt, werde ich hier ganz bestimmt nicht verraten.
 
 
Herr Fuchs hat Bücher im wahrstein Sinne des Wortes zum Fressen gern. Seine Gier führt dazu, dass er aus Buchhandlung und Bibliothek vertrieben wird. Und sie treibt ihn schliesslich gar in die Kriminalität. Zum Glück findet er mit der freundlichen Unterstützung des Gefängniswärters eine Lösung für sein Dilemma, und geht selber in die Bücherproduktion. Zur schrägen Geschichte gibt es die passenden Illustrationen, und nach der Lektüre weiss man jetzt auch wie das aussieht, wenn Herr Fuchs nach ungeeigneter Lektüre leidend auf dem Klo sitzt... Viel Freude hatte ich an der taffen Bibliothekarin, die den Bücherfresser auf frischer Tat ertappt.
  
 
Die Fliegenden Bücher von Mister Morris Lessmore ist ein nostalgisch aufgemachtes Bilderbuch, das auch ein erwachsenes Publikum anspricht. Der einsame Held der Handlung verliert sein geordnetes Leben und findet auf der Suche in einer grauen Welt eine neue Heimat in einem Haus voller lebender Bücher. Er kümmert sich um die Bücher, und lässt auch die Aussenwelt an ihnen teilhaben. Mit zunehmendem Alter sind es dann die Bücher, die sich um ihn kümmern. Und schliesslich ist es Zeit für ihn weiter zu ziehen, und einem neuen Hüter der Bücher Platz zu machen.
 
 
Noch mal! erzählt vom kleinen Drachen, der einfach nicht genug kriegen kann von seiner Lieblings-Gutenacht-Geschichte. Während der grosse Drache (oder ist es eine grosse Drachin?) beim wiederholten Erzählen immer müder und müder wird, durchläuft die Handlung der Gutenacht-Geschichte eine seltsame Verwandlung. Und als der müde Erzähler (oder die müde Erzählerin) schliesslich einschläft, kriegt der kleine Drache einen Wutanfall, der es in sich hat. Selten habe ich mir bei einem Buch so sehr gewünscht, wieder ein kleines Kind zu Hause zu haben, um die Geschichte mit ihm zusammen erfahren zu können!
 
 
Mein Herz zwischen den Zeilen ist ein luftig-leichter Liebesroman für Teens, der sich vor allem durch eine originelle Idee und die schöne Aufmachung hervortut. Hier erfahren wir nämlich, was die Buchfiguren so treiben, wenn ihr Buch gerade nicht gelesen wird. Im Zentrum der Geschichte steht ein Märchenbuch, von dem sich die jugendliche Heldin nur schwer lösen kann, obwohl sie dafür eigentlich schon zu alt ist. Sie hat sich in den hübschen Prinzen verguckt. Dieser wiederum ist mit seinem Leben alles andere als zufrieden: er hat es satt, immer wieder die gleiche Geschichte durchzuspielen und sich nicht ausserhalb der geschriebenen Welt bewegen zu können. Natürlich verlieben sich Leserin und Buchfigur ineinander, und suchen nun nach einem Weg, den Prinz aus dem Buch heraus zu holen - ohne dass er dabei zu Buchstaben auf dem Papier erstarrt.
 
 
Das Mädchen Amy und ihre Mutter haben beide einen schweren Schicksalsschlag zu verdauen, und ziehen spontan auf die Insel, von der ihre Mutter als junge Frau geflohen ist. Hier erfährt Amy, dass sie zu den wenigen Menschen gehört, die sich körperlich in die Handlungen von Geschichten begeben können. Diese Fähigkeit, die im Lauf des Erwachsenwerdens wieder erlischt, ist an Verpflichtungen gebunden. Auf ihren Erkundungstouren durch die Bücherwelt und die Insel stösst Amy auf seltsame Ereignisse und beginnt, ein uraltes Rätsel zu lösen, das eng mit der Vergangenheit ihrer Familie verknüpft zu sein scheint.
 
 
Lee Raven ist ein junger Dieb, der beinahe aus Versehen ein unermesslich kostbares Buch mitlaufen lässt, dessen Besitzer kurz darauf ermordet aufgefunden wird. In der Folge ist er auf der Flucht vor der Polizei und vor einer geheimnisvollen Frau, die für ihre Pläne über Leichen geht. Die rasante Story wird abwechselnd aus der Sicht unterschiedlicher Figuren erzählt. Die Freundschaft zwischen Lee, der nicht lesen kann, und dem geheimnisvollen Buch, das für ihn zu sprechen beginnt, führt die beiden durch alle Gefahren bis hin zum actionreichen Schlusskampf. Und so ganz nebenbei wird auch noch die Geschichte der Schrift und des Buches erzählt.
 
 
Odessa begehrt auf gegen die strengen Regeln, die ihre Mutter ihr auferlegt, und flieht Nachts über die Dächer der Stadt. Doch dann wird sie von seltsamen Gestalten verfolgt und beobachtet die Entführung ihrer Mutter. Gemeinsam mit einem kettenrauchenden Kanarienvogel macht sie sich auf die Suche nach ihrem Vater, den sie nie gekannt hat, doch den sie sich in den schönsten Farben ausmalt. Ihre abenteuerliche Reise führt sie in eine versteckte Stadt, wo unsterbliche Schriftsteller und ihre Musen leben, und wo die Menschen sich mit Magie alles aus den Büchern holen, das sie fürs Leben brauchen. Diese magische Welt ist bedroht von einem bösen Zauberer, und alle sind auf der Suche nach dem Erwählten, der die Stadt vor ihm retten kann. Doch dass es sich beim Erwählten auch um ein Mädchen handeln könnte, darauf ist in der arg patriarchalischen Stadt noch niemand gekommen.
 
 
Das geheime Leben der Bücher vor ihrem Erscheinen ist ein Sachbuch über den Herstellungsprozess von Büchern. Jedem einzelnen Schritt ist ein ausführliches Kapitel gewidmet. Die Texte sind aus der Sicht der jeweiligen Fachpersonen geschrieben und sind trotz der Fülle an Informationen sehr unterhaltsam zu lesen. Ich war schon ab dem Impressum begeistert, welches bis ins kleinste Detail aufgeschlüsselt und erklärt wird. Bei den Illustrationen bin ich mir nicht sicher, ob sie dem Inhalt ebenso gut dienen wie der Text. Mir sind sie etwas zu graphisch geworden.
 
 
Dieses Bilderbuch erzählt, wie ein Bilderbuch entsteht. Hier ist Bild und Text eng verknüpft und die Bilder geben detailreich wieder, was im Text erklärt wird. Entsprechend dem Zielpublikum ist dieses Buch weniger ausführlich als der vorausgehende Titel, der sich an ältere Kinder richtet. Und natürlich ist alles in eine exemplarische Geschichte verpackt, wie es sich bei einem Sachbilderbuch gehört.

Freitag, 1. Juli 2016

Liebe Luana, wir gratulieren Dir!

Luana Morgillo war jetzt drei Jahre lang die I+D-Lernende der Zentralbibliothek, und dadurch auch regelmässig in der Kijubi und in diesem Blog tätig.

Wir freuen uns riesig mit ihr über den super Lehrabschluss! Natürlich haben wir keine Sekunde an ihr gezweifelt, aber es ist immer eine Erleichterung, wenn die Anspannung nachlässt und man weiss: ich habe es geschafft.

Luana mit ihrem exzellenten Abschluss-Zeugnis