Freitag, 20. Mai 2016

Spiez für Bibliothekarinnen und Bibliothekare


Der verhangene Himmel konnte die Stimmung an der GV nicht trüben
smh - Ich habe ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Spiez, wo ich den grössten Teil meiner Kindheit und Jugend verbracht habe. Insbesondere meine Schulzeit war für mich eine sehr durchmischte Erfahrung. Aber natürlich gibt es auch schöne Erinnerungen.
 
Einer der wichtigsten Orte für mich war die Bibliothek, wo ich viel Zeit verbrachte und an den regelmässigen Buchverkäufen den Grundstock für meine eigene Büchersammlung legte. Diese Bibliothek, die mir damals sehr modern und reich ausgestattet erschien, war in Wirklichkeit ein ewiges Provisorium, Anfang der 80er Jahre angelegt, und seit meiner Spiezer Zeit arg in die Jahre gekommen.
 
Nachdem ein erster Wurf für eine neue Gemeindebibliothek vom Stimmvolk abgelehnt wurde, hat es mit einem neuen Projekt, das viele Synergien nutzt, nun doch noch geklappt. Mitte 2015 wurde die neue Bibliothek und Ludothek eröffnet. Und das war dann doch ein Grund für mich nach Spiez zurück zu kehren und mir dieses von Bieler Architekten gestaltete Wunder näher anzusehen.

Es bot sich die Gelegenheit an der diesjährigen GV der SAB teilzunehmen, die im Spiezer Lötschbergsaal stattfinden sollte, umrahmt von Führungen durch Schloss und Bibliothek.

Zu meinem Glück stellte sich heraus, dass ich damit weit mehr gebucht hatte als eine informative Mitgliederversammlung mit anschliessendem Bibliotheksrundgang: nämlich jede Menge Inspiration beim kollegialen Austausch während Begrüssungskaffee und Schlemmermittagessen, und bei zwei ausserordentlich gelungenen Vorträgen zu Nägeln ohne und mit Köpfen.

Mark Riklin liess uns grosszügig teilhaben an einem ganzen Strauss von Instrumenten für die Gestaltung von Kreativitätsprozessen. Er würzte seinen Beitrag mit vielen Anekdoten aus seinem reichen Erfahrungsschatz und testete mit uns einen Ansatz gleich vor Ort - mit beeindruckenden Ergebnissen.

Bettina Scheurer, die in der Stadtbibliothek Köln für das Ideenmanagement zuständig ist, erzählte aus ihrer Praxis und zeigte auf, wie ihre Bibliothek es schaffte, trotz begrenzten Mitteln und veralteter Infrastruktur zu einer innovativ führenden Institution und zur Bibliothek des Jahres 2015 zu werden.

Und dann, ganz am Schluss, die Führung durch die neue Bibliothek. Mir gefällt sie, die Spiezerinnen und Spiezer sind zurecht stolz auf diese moderne Einrichtung. Während unserem Besuch konnten wir auch gleich beobachten, wie wohl sich verschiedene Nutzerinnen und Nutzer hier fühlen: der Senior am PC-Arbeitsplatz, die Oberstufen-Schülerin beim kompetenten Einräumen der zurückgebrachten Medien, eine Familie, die sich in der Kinderecke und dann in der Cafeteria tummelte.

Als ich auf der Heimfahrt einer Bekannten die Vorzüge der neuen Spiezer Bibliothek schilderte, war sie besonders beeindruckt von der Ausleih-Theke mit ihren zwei unterschiedlichen Höhen: auf der einen Seite auch für kleine Nutzerinnen gut zugänglich, auf der anderen für Grosse. Und für die Angestellten eine angenehme Abwechslung zwischen Steh- und Sitzarbeitsplatz.


Bistro
 
Thematische Wechsel-Ausstellung
 
Kinderbereich
 
Arbeitsplätze bei den Jugendlichen, hinter der Wand der grosse Raum für Anlässe (kann von der Gemeinde gemietet werden).
 

Der Geschichten-Sessel
 
Such-Station am Gestell

Liebevolle Details

Die hohe Seite der Theke
 
Ein vielfältiges Angebot
 
Diesen Sommer wird man auch Draussen sitzen können!
 
Fassade mit Rückgabekasten (auf den Balken stehen Buchtitel!)
 
Das Gebäude von Aussen. Neben der Bibliothek sind ein Veranstaltungs-Saal, die Ludothek und Büroräume der Gemeindeverwaltung enthalten.
 
Beim Abschied war das Wetter geradezu freundlich ;-)
 

Freitag, 13. Mai 2016

Ausschnitte aus dem Jugend- und Kinderprogramm der 38. Solothurner Literaturtage


smh - Dieses Jahr haben wir es - dank einer lieben Kollegin, die für uns die Kijubi betreute - als ganzes Team an das JuKiLi-Programm der Literaturtage geschafft!

Die Auswahl fiel uns schwer, denn leider war es uns nicht möglich, an allen Angeboten teilzunehmen. Was auch damit zusammen hängt, dass vieles parallel stattfand.

Als erstes liessen wir uns - zusammen mit über 100 Schulkindern - auf das Geschichten-Feuerwerk von Lorenz Pauli ein. Er spann zusammen mit den Kindern und mit Hilfe von übergrossen Memory-Karten eine (sehr schräge) neue Geschichte. Dann liess er die beiden Bilderbücher "Fips hört ein PIEPS" und "Pass auf mich auf!" für uns lebendig werden. Den Abschluss machte er mit zwei Geschichten aus dem neuen Buch "Rigo und Rosa". Die vorlauten Zwischenrufe lieferte ein sprechender Müll-Kübel mit grosser Klappe.


Etwas ruhiger und im kleinen Kreis ging es danach bei der Lesung von Frank Kauffmann aus seinem Buch "Tsozo und die fremden Wörter" zu. Die Geschichte um Tsozo, der eben in ein neues Land gezogen ist, dessen Sprache ihm völlig fremd ist, war schnell erzählt. Den Mehrwert lieferte der Autor, indem er uns zeigte, wie er das Buch in der Arbeit mit Kindern einsetzt: er lässt sie im Lauf der Geschichte genau die Wörter in einer Fremdsprache lernen, die auch Tsozo gerade lernt. So sind sie am Ende der Geschichte in der Lage, dem Jungen hilfreiche Vorschläge zu machen, was er den Erwachsenen im Dorf erzählen soll, um für seine in Not geratenen Freunde Hilfe zu holen. Kauffmann wählt jeweils eine Sprache, die für die Kinder keinen schulischen Bezug hat (Niederländisch in der Schweiz, Schweizerdeutsch in Deutschland).

Illustr. v. Beate Fahrländer
Am Nachmittag - nun leider nur noch zu zweit - genossen wir die Poetry Slam Lesung des Baslers Laurin Buser im Stadttheater. Dieser liess sich von technischen Tücken (das Mikrofon streikte) nicht beirren und zog Zuhörerinnen und Zuhörer jeden Alters in seinen Bann.