Samstag, 19. September 2015

Mädchen-Tagebücher

smh - Dass Geschichten in Tagebuch-Form erzählt werden, gibt es schon lange. Ich habe diese Form des Erzählens immer gern gemocht. Man fühlt sich ein wenig als Voyeur/in, wenn man so in die privaten Gedanken eines Menschen rein sehen kann. Ein Tagebuch ist ja meist geheim, und so vertraut man ihm auch sehr persönliche Erlebnisse an. Ein Tagebuch ist oft in angenehm kurze Häppchen unterteilt. Die Sprache ist häufig sehr direkt und ungekünstelt: man schreibt ja für sich selbst. Und auch wenn es frei erfunden ist, wirkt ein Tagebuch irgendwie besonders authentisch und unmittelbar. Wir wissen genau so wenig, wie es weiter geht in der Geschichte, wie die erzählende Person, wir sind mit ihr zusammen mitten drin.

Gerne stelle ich hier einige Mädchen-Tagebücher vor, die mir selber gut gefallen. Natürlich gibt es noch mehr davon, bloss kenne ich die (noch) nicht alle. Wenn ich sage Mädchen-Tagebuch, dann meine ich damit, dass die erzählende Person ein Mädchen ist - das bedeutet natürlich noch lange nicht, dass Jungs diese Bücher nicht lesen dürfen. Vielleicht ist das ja gerade DIE Möglichkeit, mehr über das andere Geschlecht zu erfahren.

 

Die Reihe "Plötzlich Prinzessin" von Meg Cabot ist schon etwas älter. Ich finde sie immer noch sehr lesenswert. Es gibt eine Disney-Verfilmung dazu, die sich aber nur begrenzt auf die Bücher bezieht.
Die Prinzessinnen-Serie hat sehr viele Bände, Mia wächst quasi mit ihren Leserinnen zur jungen Frau heran.
Im Gegensatz zu den aktuelleren Mädchen-Tagebüchern enthalten diese hier viel Text und keine Bilder.
Im ersten Band lernen wir Mia Thermopolis aus New York kennen, ein ganz normaler amerikanischer Teenager mit Komplexen und Sorgen, in denen sich wohl viele wiedererkennen können. Cabot hat als Grundlage für diese Romane eigene Tagebücher verwendet, weshalb Mia wohl so echt rüber kommt.
Ihre Abenteuer sind dann aber doch etwas ungewöhnlicher als die des Durchschnitts-Teenies: Mia erfährt nämlich, dass sie die Prinzessin von Genovia ist, und muss plötzlich mit Bodyguard zur Schule. Ihr Leben wird gehörig durcheinander gewirbelt durch die neuen Verwandten und Verpflichtungen. Gleichzeitig hat sich ihre Mutter ausgerechnet in einen ihrer Lehrer verliebt!

 
Die Tagebücher von Amélie kommen sehr modern daher. Jeder Monat wird mit einer Seite voller Skizzen eingeleitet, im Text selbst gibt es keine Bilder. Die Reihe ist aus dem Französischen übersetzt und handelt von den sehr alltäglichen Sorgen und Nöten der 14jährigen Amélie. Die wichtigsten Menschen in ihrem Leben sind ihre Freundin Kat und ihre Mutter, mit der sie sich in letzter Zeit häufig streitet. Jungs findet sie im ersten Band noch doof, doch es zeichnet sich ab, dass dies nicht mehr lange so sein wird...
Beim Lesen kann man die inneren Turbulenzen im Teenager-Seelchen wunderwar nachvollziehen.

 
Die Dork Diaries richten sich an etwas jüngere Leser/innen als die beiden erstgenannten Titel. Die Schrift ist gross und die Zeichnungen sind genau so wichtig wie der Text. Die Geschichte startet mit einem Schulwechsel: die junge Nikki geht an eine teure neue Schule, weil ihr Vater als Kammerjäger für diese Schule arbeitet. Nikki nimmt sich natürlich vor, dass an der neuen Schule alles anders und besser werden soll.
Bei den Dork Diaries ist Chaos Programm. Meist handelt ein Band nur über einen kurzen Zeitraum, doch ist immer eine Menge los. Die Bücher machen einfach Spass, und sie eignen sich auch sehr gut für Kinder, die nicht so gerne lesen.

Die Tagebücher von Maulina Schmitt sind fast so voll mit Zeichnungen wie die Dork Diaries, kommen aber vom Inhalt her etwas ernster daher. Was nicht heisst, dass der Humor auf der Strecke bleibt! Es sind einfach schwierige Zeiten für Paulina, die so gerne mault, dass sie sich den Übernamen Maulina verdient hat: ihre Eltern haben sich getrennt und sie muss mit der Mutter umziehen. Damit tut sie sich schwer, wovon ihre Ergüsse und Skizzen im Tagebuch zeugen.

Eine ganz andere Art von Tagebuch noch zum Schluss: Dieses Buch enthält Fragmente eines echten Tagebuches, welches die junge Jüdin Rutka über ihr Leben im polnischen Ghetto geschrieben hat. Rutka starb im KZ. Auf dramatische Weise kam ihr Tagebuch Jahrzehnte später wieder zu Tage, und wurde zu diesem eindrücklichen kleinen Werk aufgearbeitet. Rutka ist ein ganz normaler Teenager, der vor dem Hintergrund schrecklicher Ereignisse Tagebüch führt: über ihre Familie, ihre Erlebnisse, ihre Träume und Sehnsüchte.