Freitag, 15. Mai 2015

Literaturtage in Solothurn: der Freitag gehört (auch) den Kindern

smh - Das Kijubi-Team war dieses Jahr gleich doppelt vertreten am freitäglichen JuKiLi-Programm der Solothurner Literaturtage. Das ist Weiterbildung, Networking und Teambuilding in einem, und macht zudem auch noch ganz viel Spass.

Einige Impressionen vom gestrigen Tag:

L'Oeuf

Anna Sommer
Das Bilderbuch L'Oeuf der beiden Illustratoren Anna Sommer und Yves Noyau gibt es erst auf Französisch. Statt einem Nachteil wurde daraus Programm: den 3. und 4. Klässlern, die ja bereits über erste Kenntnisse in dieser Landesspache verfügen, haben die Künstlerin und der Künstler ihr Buch gleich zweisprachig vorgestellt.


Im Einführungsteil zeichnete Yves Noyau wichtige Begriffe aus dem Buch, zum Raten und Übersetzen für die Kinder. Im zweiten Teil lasen die Autorin und der Autor abwechselnd in Französisch und Deutsch den Text zu den grossformatig abgebildeten Bilderbuchseiten vor. Als Abschluss zeigte Anna Sommer ihre spezielle Schneide- und Collage-Technik, mit der sie die Figuren und Räume im Buch gestaltet hat.


L'Oeuf ist die berührende Geschichte eines sehr menschlichen Paares mit Vogelzügen, welches sich liebevoll um ein Ei kümmert, und dabei neben schönen auch sehr schmerzhafte Erfahrungen macht. Die Bilder sind üppig bunt. Die zärtliche Fürsorge und berechtigten Ängste der beiden Hauptfiguren gehen unter die Haut. Das Ende ist rätselhaft und offen, aber auch schön und hoffnungsvoll. 


Die Kinder im Publikum haben den Erzählteil sichtlich genossen und freuten sich an den vielen Details auf den vielschichtigen Bildern. Die hinter der zauberhaft verfremdeten Handlung um Vögel und Eier versteckte Geschichte von Trauer, Schmerz und Verlust hat mich als erwachsene Zuhörerin noch auf einer weiteren Ebene erreicht und betroffen gemacht.

Tierweg 1


Im bis auf den letzten Platz gefüllten Gewölbekeller trafen wir erneut auf Yves Noyau, diesmal zusammen mit Matto Kämpf, mit dem er das Bilderbuch Tierweg 1 geschaffen hat. 

Marc Unternährer, Yves Noyau, Matto Kämpf
Im Buch geht es - irgendwie - um die Evolution. Ohne grosse Vorrede schlug Noyau das Publikum mit einem gezeichneten Intro zu diesem Thema in den Bann - begleitet von Marc Unternährer, der seiner Tuba die unwahrscheinlichsten Töne entlockte.


Nach dem ebenso tragischen wie stimmigen Ende des evolutionären Intros übernahm Matto Kämpf das Mikrophon und erzählte die Geschichte des Hauses am Tierweg 1: Im Keller wohnen die Amphibien, die mögen es schön feucht. Im Parterre wohnen die Reptilien, die räumen nie auf und hören laute Rock-Musik. Und neu sind im ersten Stock die Ordnungs- und Jazz-liebenden Säugetiere eingezogen. Die Folgen sind so absehbar wie dramatisch...


Ja, und zum Schluss griff Noyau erneut zum Stift und zeichnet sie weiter, die Evolution. Diesmal mit dem Blick in die Zukunft.

Die Schwestern Löwenherz

Christine Ryser führt ein
Johanna Gerber hat mit ihrem ersten Jugendroman Die Schwestern Löwenherz ein aktuelles Thema aufgegriffen: die Zwangsheirat. Diese Lesung verlief völlig schnörkellos, der Text stand ganz für sich, und hielt sich gut. Erwachsene und jugendliche Zuhörerinnen und Zuhörer hörten still und sichtlich mitgenommen zu. 

Johanna Gerber
Aus einem abstrakten Thema wird erschreckend reale Möglichkeit. Was wäre, wenn ICH mit 14 einen Mann heiraten müsste, den ich gar nicht mag? Der viel älter ist, der meinem Vater Geld gegeben hat? Wie fühlt sich das an, wenn ich ohnmächtig zusehen muss, wie mir meine beste Freundin entrissen wird, ihr ein schlimmes Schicksal droht? Dabei sind wir doch noch Kinder, und wir hatten uns so auf die gemeinsamen Sommerferien gefreut. Die Geschichte von Süne und Kahlo lässt keinen kalt.


Die anschliessende Diskussion über die Rechte der Kinder, und was deren Verletzung mit sich bringt, wollte nicht so recht gelingen. Den anwesenden Jugendlichen fehlt der geschützte Rahmen, um sich frei zu äussern. Die Lesung, die aufgeworfenen Fragen und das spürbare Engagement der Autorin haben aber bestimmt bei vielen im Publikum Spuren hinterlassen und Samen gesät. 

Dominos Geheimnis

Brigitte Schär

Brigitte Schär stellte ihr neues SJW Dominos Geheimnis vor. Sie erzählte von Domino, der Keller-Archäologin, und ihrer Begegnung mit dem seltsamen Wesen, das sie Biest  nennt. Wir hörten die Stimmen, sahen das Prasseln der Fackeln, schauten Domino über die Schulter, während sie mit ihrem besten Freund mailt, rätselhafte Pakete öffnet und ihre Funde fein säuberlich in numerierten Logbüchern dokumentiert. 


Und weil Brigitte Schär auch eine Sängerin ist - man hört es schon beim Erzählen gut - lieferte sie gleich die passenden Songs zum Buch nach. Beim Fackel-Rock machten die Kinder so begeistert mit, dass es ihn zum Schluss nochmals als Zugabe gab. 


Davor wurden wir noch mit einem multimedial aufbereiteten Einblick in die Entstehung eines SJW-Heftes überrascht: vom ersten Entwurf bis hin zum fertig gedruckten, abgepackten und verschnürten Endprodukt. Dabei erfuhren wir, dass auch die Texte von Schriftstellerinnen nicht von Anfang an perfekt sind ("Das Kind ist zu brav"), sondern noch (mehrmals) korrigiert werden - genau wie in der Schule!

Freitag, 8. Mai 2015

MALAGA - Aus Bildern werden Geschichten


smh - Seit einigen Wochen liegt in der Zentralbibliothek ein riesiges Buch auf. Es ist an einen Tisch gekettet und enthält keinen Text, sondern Aquarelle des Solothurner Künstlers Roland Flück.
Die Bilder zeigen Szenen aus Malaga, einer Stadt in Andalusien.
Die Benutzerinnen und Benutzer der Zentralbibliothek können sich von diesen Bildern zu Geschichten inspirieren lassen. Die originellsten Geschichten werden mit einem signierten Druck des gewählten Bildes belohnt!
Wir würden uns natürlich ganz besonders über Beiträge von jüngeren Schreiberlingen freuen. Die Geschichte braucht auch gar nicht lang zu sein, höchtens eine Seite!
Hier geht es zu den Teilnahmebedingungen