Mittwoch, 17. Dezember 2014

Selbständig

Wimmelbild "Bibliothek" von www.bibliomedia.ch

smh - Heute war ich gleich mehrmals beeindruckt und beglückt vom unbändigen Drang zur Selbständigkeit, den die Kinder in unserer Bibliothek zum Ausdruck bringen.

Ein Junge mit zweisprachigem Hintergrund kam zur Theke und faltete sorgsam einen kleinen Notiz-Zettel auseinander. Darauf hatte er sich einen Titel notiert, den er aus der Schule kannte, und gern ausleihen wollte. Leider hatten wir das Buch nicht da. In der Folge kam er mit mehreren Fragen zu mir, suchte selbständig nach Büchern und Computerspielen an den von mir angezeigten Orten und machte sich Notizen basierend auf meinen Antworten. Dazwischen wehrte er sich immer mal wieder gegen den Wunsch seiner Mutter, doch endlich ein Ende zu finden. Er war sehr konzentriert bei der Sache, suchte nach den richtigen Worten, die ihm nicht immer einfallen wollten, und fragte nach, wenn er mich nicht richtig verstand.

Dann war da ein Geschwisterpaar - von Geschwistern bin ich ja immer wieder fasziniert - diesmal mit grösserem Altersunterschied. Die grosse Schwester beriet ihren jüngeren Bruder, fragte für ihn bei mir nach, und las ihm schliesslich auf dem Sofa eine Geschichte vor. Sie war offenbar damit betraut worden, mit ihm zusammen in der Bibliothek auf die Eltern zu warten, und nahm diese Aufgabe und die damit verbundene Verantwortung sichtlich ernst.

Ein anderes Mädchen fragte nach einer bestimmten Sachbuch-Reihe. Bei den Sachbuch-Reihen ist es so, dass diese nicht zusammen stehen, sondern unter dem jeweiligen Thema gesucht werden müssen. Ich habe ihr am Benutzer-PC gezeigt, wie sie im Katalog nach dieser Reihe suchen und sich die Titel herausschreiben kann, die sie interessieren. Geschäftig machte sie sich an die Arbeit und kam später mit einer Liste von Titeln und Signaturen zu mir.


Von mir wollte sie nicht nur wissen, wo jetzt diese Bücher stehen, sondern auch, wie sie diese selber finden kann. Also habe ich ihr eine kleine Einführung gegeben, ihr den Übersichtsplan gezeigt und versucht, für sie die Signaturen zu entschlüsseln. Dann gingen wir zusammen zum jeweiligen Gestell und wurden fündig. Danach verlor ich sie etwas aus den Augen, bis sie mit einer grossen Beige zu mir an die Theke kam und mir strahlend erzählte, sie habe jetzt ganz allein auch noch den Rest der Bücher gefunden.

Für diese Kinder ist der Besuch in der Bibliothek eine bedeutsame Angelegenheit, für die sie sich Zeit nehmen, bei der sie Lernen und Verstehen wollen, und bei der sie viel Einsatz zeigen.

Dienstag, 16. Dezember 2014

Zwei Freunde


smh - Es kommt öfter vor, dass ich von meinem Arbeitsplatz aus Szenen sehe, die ich am liebsten filmen oder fotografieren möchte. Wenn Geschwister sich helfen, wenn auf dem roten Sofa gestillt wird, oder vorgelesen, oder beides zusammen. Wenn das versteckte Sofa von Jugendlichen als Lese- und Rückzugsort genutzt wird. Wenn ganze Familien oder Kitas bei uns "einfallen". Wenn bei uns nicht nur gelesen und erzählt, sondern auch geredet und gespielt wird. Wenn jemand sich über einen Glücksfund freut. Wenn Maskottchen Findus liebevoll begrüsst und verabschiedet wird. Wenn es bei uns so lebendig ist und so schön. Diesen Reichtum würde ich gern mit allen andern teilen, die es nicht so bunt und lebhaft haben.

Ganz offensichtlich aber wäre es nicht in Ordnung, wenn ich hier ständig mit der Kamera rumlaufen und alles dokumentieren würde. Das wäre eine Störung, und eine Verletzung der Privatsphäre dazu.

Doch diesemal konnte ich mich einfach nicht beherrschen, und habe ein paar heimliche Fotos von zwei Jungs geschossen, die sich eine Lese-Terasse gebaut und dort völlig vertieft und im innigen Austausch zusammen Bücher angeschaut haben. Sie waren dabei so auf sich bezogen, dass ich lange Zeit nicht wusste, welche der anwesenden Frauen denn da dazu gehört.

Dank Mützen und Jacken sind die Kinder auf den Bildern zum Glück wohl nur von engen Familienangehörigen zu erkennen. So kann ich die Fotos hier zeigen, mit der Einwilligung der betroffenen Mütter, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben.

Ich hoffe man kriegt etwas davon mit, was mich an der Szene so bezaubert hat.